„Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“

Kunde: Apothekerkammer Bremen

Projekt der Bremer Hausärzte und Apotheken zur Verbesserung der Therapiesicherheit gestartet

Bremen, 20. Januar 2015 – Der demographische Wandel führt zu zahlreichen Veränderungen, vor allem im Gesundheitswesen. 27 Prozent der über 70-Jährigen nehmen fünf oder mehr Arzneimittel ein. Polypharmazie überfordert oftmals nicht nur die Patienten, auch Arzt und Apotheker stehen vor enormen Herausforderungen. 20 bis 25 Prozent der Krankenhauseinweisungen resultieren aufgrund von Arzneimittelbezogenen Problemen wie Arzneimittelinteraktionen und Nebenwirkungen. Dr. Günther Egidi, Hausarzt in Bremen, und Klaus Scholz, Vize-Präsident der Apothekerkammer Bremen, wollen deshalb beide Berufsgruppen näher zusammen bringen – denn Kommunikation ist das A und O der Therapiesicherheit.

Am 14. Januar 2015 trafen sich Hausärzte und Apotheker im Fortbildungszentrum der Ärztekammer Bremen. Die große Teilnehmerzahl zeigte, wie hoch das Interesse der beiden Berufsgruppen ist, zukünftig besser zusammenzuarbeiten, um Arzneimittelinteraktionen vorzubeugen. Die Schirmherrschaft dieses Projekts hat Gesundheitssenator Dr. Herrmann Schulte-Sasse übernommen, der über das Thema Arzneimittelinteraktion sogar zur Politik gekommen ist. Die Grünen-Abgeordnete Kirsten Kappert-Gonther, ebenfalls Ärztin, und Dr. Alfred Haug, 2. Vorsitzender des Hausärzteverbandes, verdeutlichten in ihren Grußworten die Wichtigkeit dieses Projekts.

Dass die Kommunikation zwischen Arzt und Apotheker klappt, zeigte sich an diesem Abend besonders. In „Murmelgruppen“ wurde sich berufsübergreifend intensiv über die Zusammenarbeit ausgetauscht. Was klappt gut, was nicht? Klar ist, dass sowohl Arzt als auch Apotheker zu viele Informationen erhalten, inklusive Warnungen durch das Softwaresystem. Viele dieser Warnungen sind jedoch nicht relevant, daher werden relevante Meldungen oftmals übersehen. Schwierig ist auch die Beurteilung der vorliegenden Interaktion. Ist diese wirklich schwerwiegend oder ist eine gleichzeitige Anwendung der Arzneistoffe vertretbar? Hier gehen die Meinungen zwischen Arzt und Apotheker oftmals auseinander. Dr. Guido Schmiemann, praktizierender Hausarzt und am Institut für Public Health und Pflegeforschung tätig, kennt die Probleme. Er hat bereits in Niedersachsen ein solches Projekt begleitet und die Daten publiziert. Hausärzte haben zusätzlich das Problem, dass Patienten Ärzte anderer Fachrichtungen aufsuchen, dort Medikamente verordnet bekommen, der Hausarzt darüber allerdings nicht informiert wird. Sofern der Patient seine Medikamente in einer Apotheke abholt, hat zumindest der Apotheker eine Übersicht über die gesamte Medikation. Klaus Scholz erläutert, dass es so einfach jedoch nicht ist: „Ein Patient hat im Durchschnitt drei bis vier Stammapotheken, aus denen er seine Arzneimittel bezieht, eine klare Übersicht hat somit weder der Hausarzt noch der Apotheker.“

Ein wesentliches Hindernis bei der Kommunikation zwischen Arzt und Apotheker ist die Erreichbarkeit. Selbstverständlich kann der Arzt während seiner Sprechzeiten nur schwer telefonieren. Daher ist ein Fax entwickelt worden, was dem Arzt jederzeit vorgelegt werden kann. Dieses Fax soll nun verstärkt von den Apotheken bei vorliegender Interaktion verwendet werden. Den Apotheken kommt hier eine wichtige Rolle zu, da diese die Verordnung als letzte Kontrollinstanz vor der Arzneimittelabgabe auf inhaltliche Korrektheit überprüfen.

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